Das Wichtigste in Kürze
Nimm die, die du sowieso schon offen hast, und bleib ein paar Wochen dabei. Für Texte, die nach dir klingen sollen, lohnt ein Blick auf Claude. Für alles, was aktuell sein muss, Gemini. Für „ich will einfach loslegen" ChatGPT. Der Unterschied zwischen den dreien ist kleiner als der Unterschied zwischen „gut vorbereitet" und „einfach drauflos".
In der ersten Septemberwoche kamen drei neue Spitzenmodelle raus. Am 1. eins von Anthropic, am 2. eins von Google, am 3. eins von OpenAI.
Drei Tage. Drei Ankündigungen. Jede davon irgendwo als „das ändert alles" bezeichnet.
Und du sitzt da und willst eigentlich nur wissen, welche du nehmen sollst.
Ich sag dir gleich, was ich benutze. Vorher aber der Teil, der dir mehr bringt.
Die Frage ist falsch gestellt
„Welche KI ist die beste" klingt nach einer Frage, auf die es eine Antwort gibt. Wie bei Waschmaschinen. Eine gewinnt den Test, die kaufst du, fertig.
So läuft das hier nicht. Die Spitze wechselt inzwischen im Wochentakt, und die Abstände zwischen den großen dreien sind so klein, dass du sie im Alltag schlicht nicht merkst. Was du merkst, ist etwas ganz anderes.
Die Wahrheit ist unbequemer: Deine Ergebnisse hängen kaum am Modell. Sie hängen daran, wie gut das Ding weiß, wer du bist und wie du arbeitest.
Zwei Frauen mit demselben ChatGPT-Zugang bekommen völlig unterschiedliche Texte raus. Nicht weil die eine ein besseres Abo hat. Sondern weil die eine dreimal erklärt hat, für wen sie schreibt, wie sie klingt und was sie verkauft — und die andere „schreib mir eine Caption" eingetippt hat.
Das ist der ganze Unterschied. Und er ist größer als alles, was zwischen den Anbietern liegt.
Wonach du stattdessen entscheidest
Nicht nach Testsiegern. Nach drei ziemlich banalen Sachen.
Wo bist du sowieso schon drin? Wenn dein ganzes Business auf Google läuft, Kalender, Mail, Ablage, dann ist Gemini der kürzeste Weg. Wenn du eh den ganzen Tag ChatGPT offen hast, ist ChatGPT die richtige Wahl, ganz egal was irgendein Vergleich sagt.
Was machst du damit am häufigsten? Nicht was du dir vornimmst. Was du tatsächlich tust. Bei den meisten sind das Texte: Captions, Mails, Angebote, Antworten. Manche brauchen vor allem Recherche. Wieder andere basteln an Tabellen.
Wie viel Geduld hast du? Manche Systeme fragen nach, bevor sie loslegen. Andere hauen sofort was raus. Wenn dich Rückfragen nerven, nimm das schnellere. Wenn dich schlechte erste Entwürfe nerven, nimm das gründlichere.
Mehr Kriterien brauchst du nicht.
Was sie gerade gut können, Stand September 2026
Und jetzt der Teil mit Verfallsdatum. Was hier steht, stimmt heute. In drei Monaten schau lieber nochmal.
ChatGPT ist der Allrounder und der einfachste Einstieg. Am wenigsten fremd, wenn du noch nie mit sowas gearbeitet hast. Stark, wenn du auch Bilder oder Sprache brauchst, und mit Abstand am besten dokumentiert — zu jedem Problem findest du eine Anleitung, weil es alle benutzen.
Claude schreibt Texte, die weniger nach Formular klingen. Wenn dir wichtig ist, dass etwas nach dir klingt und nicht nach LinkedIn, ist das den Blick wert. Merkt sich außerdem gut, was du ihm über dich erzählt hast.
Gemini ist vorn, wenn es aktuell sein muss, und sitzt direkt in deinem Google-Kram. Wenn du ohnehin in Docs und Sheets lebst, spart dir das jeden Tag ein paar Handgriffe.
Meta AI steckt in Instagram und WhatsApp und ist genau dafür da: schnell was nachfragen, ohne die App zu verlassen. Kein Werkzeug zum Arbeiten, aber praktisch, wo es sitzt.
Canva AI ist eingebaut, wo du sowieso designst. Für eine Überschrift auf einer Slide völlig ausreichend. Für einen Newsletter nicht.
Was ich selbst mache
Ich benutze mehrere, und zwar nicht aus Prinzip, sondern weil sie an verschiedenen Stellen sitzen.
Zum Schreiben und für alles, was nach mir klingen soll, nehme ich Claude. Für schnelle Sachen zwischendurch und alles mit Bildern ChatGPT. Wenn ich was nachschlagen muss, Gemini. Und wenn ich in Canva sitze und mir eine Zeile fehlt, dann eben das, was da drin ist.
Klingt nach viel. Ist es nicht — das hat sich über Monate so ergeben, ich habe das nicht am Reißbrett entschieden.
Deshalb wäre es Quatsch, dir zu sagen: mach es genauso. Du fängst mit einer an.
Was ich dir raten würde
Nimm die, die du am schnellsten offen hast. Bezahl die zwanzig Euro, wenn du wirklich damit arbeiten willst — die Gratis-Version bremst dich genau dann aus, wenn es gerade läuft.
Und dann bleib vier Wochen dabei, ohne zu wechseln.
Das ist der eigentliche Rat. Nicht welche. Sondern: hör auf zu wechseln.
Denn jedes Mal, wenn du zum nächsten springst, weil irgendwo stand, das neue sei besser, fängst du bei null an. Das System kennt dich wieder nicht. Du erklärst wieder von vorn, für wen du schreibst und wie du klingst. Und wunderst dich, dass die Ergebnisse mittelmäßig sind.
Die Leute, bei denen KI wirklich Arbeit abnimmt, haben selten das neueste Modell. Sie haben eins, das sie kennt.
Und der ganze Rest?
Es gibt Hunderte. Jede Woche kommen neue, jede mit einem Video, in dem jemand ruft, dass sich jetzt alles ändert.
Fast alle davon sind eine der drei großen mit einer eigenen Oberfläche drumherum. Du zahlst dann für die Oberfläche.
Manchmal lohnt sich das, wenn sie dir wirklich Arbeit abnimmt. Meistens lohnt es sich nicht.
Frag dich bei jedem neuen Werkzeug nur eins: Löst das ein Problem, das ich diese Woche tatsächlich hatte? Wenn du zögern musst, ist die Antwort nein.
Und das liegt nicht daran, dass dir das richtige Tool fehlt. Das Problem ist einfach, dass du der einzige Kopf in diesem Sumpf von Aufgaben bist.
Da kommst du mit keinem Abo raus.
Häufige Fragen
Brauche ich mehrere KIs oder reicht eine?
Für den Anfang reicht eine, und zwar deutlich länger, als du denkst. Zwei parallel lohnen sich erst, wenn du gemerkt hast, wo deine an eine Grenze stößt. Vorher ist es nur eine zweite Baustelle.
Muss ich bezahlen oder tut es die Gratis-Version?
Zum Ausprobieren tut es die Gratis-Version. Sobald du damit arbeitest statt spielst, merkst du die Grenzen ziemlich schnell — meist beim Tempo und bei der Länge. Rechne mit rund 20 bis 25 Euro im Monat, und zwar für eine, nicht für vier.
Ist meine Arbeit dort sicher?
Bei den Bezahl-Zugängen der großen Anbieter wird dein Material standardmäßig nicht zum Training verwendet. Bei Gratis-Zugängen musst du das in den Einstellungen selbst abschalten. Kundendaten, Gesundheitsdaten und alles, was unter Schweigepflicht fällt, gehören trotzdem nicht ungefragt hinein.
Was ist mit den KIs, die schon in meinen Programmen stecken?
Canva, Instagram, dein Mailprogramm — überall ist inzwischen was eingebaut. Für kurze Sachen an Ort und Stelle ist das praktisch, weil du nichts hin- und herkopierst. Für längere Texte, die nach dir klingen sollen, sind sie zu schwach, weil du ihnen deine Art nicht beibringen kannst.
Muss ich wechseln, wenn ein neues Modell rauskommt?
Nein. Wenn du bezahlst, bekommst du das neue meistens automatisch. Und ein Wechsel kostet dich immer ein paar Wochen, bis das neue System dich wieder kennt — das ist fast nie den Zugewinn wert.