Richtig wurde es 2008 in Hamburg. Dann Teacher Training, dann hab ich selbst ein paar Jahre unterrichtet, später als Referentin in der Ausbildung. 500 Stunden Yoga Alliance. Es ist nicht mein Beruf geworden. Es ist das, worauf ich zurückgreife, wenn's eng wird.
Und dann sind da die zwei Jungs, die beide was besser können als ich. Und die zusammen ziemlich genau ergeben, wie ich arbeite.
Der Große ist Künstler. Wenn der einen Stift in die Hand nimmt, zaubert er. Mit ihm teil ich den Hang zum Chaos und das Konfettihirn.
Der Kleine räumt auf, als wär es ein Sport. Schmeißt Sachen weg, ohne mit der Wimper zu zucken, hängt an nichts Materiellem, und rechnen kann er sowieso besser. Mit ihm teil ich die Liebe, Dinge nach Farben zu sortieren.
Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Die Ideen kommen aus dem Chaos, fertig werden sie durchs Sortieren. Ich hab beides in mir. Und zu Hause läuft jedes davon nochmal einzeln rum.
Der Kleine macht übrigens ganz nebenbei das, was im Yoga Aparigraha heißt: Nicht-Anhaften. Ich erklär das erwachsenen Frauen in Sessions. Er schmeißt einfach das Ding weg.
Vielleicht guck ich deshalb so gern Aufräum-Sendungen. Marie Kondo und diesen ganzen Kram, stundenlang. Ich hab lange gedacht, das ist eine Marotte. Bis mir auffiel, dass ich beruflich exakt dasselbe mache. Ich räum nur keine Schränke auf, sondern Köpfe.
Was mich zuverlässig auf die Palme bringt: Typen, die einem erklären, wie KI funktioniert, und dabei tun, als wär das Raketenwissenschaft. Meine Test-Videos auf Instagram werden zu 77 Prozent von Männern angeguckt, obwohl „Unternehmerin Ü40" draufsteht. Die schauen nicht, weil sie was lernen wollen.
Ich probier trotzdem gern Sachen aus, auch wenn sie Geld kosten und sich hinterher als Blödsinn herausstellen. Zweitausend Euro für den falschen Kurs waren nicht der letzte Fehler dieser Art. Ich find selber raus, das ist halt so ein Ding bei mir. Siehe Kopfstand.
Und der beste Moment im Arbeitstag ist immer noch der, an dem ich um 13 Uhr sagen kann: „Schatzi, wollen wir in den Park?"