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Konfettihirn

warum tausend Ideen kein Defizit sind

Wenn dein Kopf ständig überläuft, hast du kein Konzentrationsproblem. Du hast einen Kopf, der schneller Verbindungen zieht, als du sie aufschreiben kannst. Was dabei wirklich fehlt, ist nicht Disziplin.

Das Wichtigste in Kürze

Ein Konfettihirn ist kein kaputter Kopf, sondern einer, der viele Verbindungen gleichzeitig zieht. Das Problem ist nicht die Menge an Ideen, sondern dass niemand hinterherräumt. Wer das trennt, muss sich nicht ändern — nur anders organisieren.

Ich war Kellnerin, sechzehn Jahre alt, Kurpark-Café.

Sonntags um drei kamen sie alle gleichzeitig. Zwanzig Tische, alle wollten was, alle guckten mich an. Und in meinem Kopf machte es Konfettikanone. Pum.

Ich hab jahrelang gedacht, ich bin kaputt. Dass mit mir irgendwas nicht stimmt, weil bei anderen offenbar Ruhe herrscht und bei mir Kirmes.

Was ich damals gemacht habe, ohne es zu merken

Ich hab mir Strategien gebaut. Sortieren. Reihenfolge festlegen. Eins nach dem anderen abarbeiten, statt alles auf einmal zu wollen.

Ich war eine verdammt gute Kellnerin.

Das war das erste Mal, dass ich gemerkt hab: der Kopf ist nicht das Problem. Der braucht nur jemanden, der hinterherräumt.

Was ein Konfettihirn eigentlich ist

Es ist ein Kopf, der schneller Verbindungen zieht, als du sie aufschreiben kannst. Du hörst einen Satz und hast drei Ideen. Du liest eine Mail und siehst gleich das Angebot, das daraus werden könnte, und den Post dazu, und wem du das noch schicken müsstest.

Das ist keine Schwäche. Das ist der Grund, warum du überhaupt selbstständig bist. Menschen, die brav eine Sache nach der anderen sehen, gründen selten was.

Das Problem kommt hinterher. Die Ideen sind schneller da, als du sie zu Ende bringen kannst. Also liegen überall Anfänge rum. Und abends hast du das Gefühl, nichts geschafft zu haben, obwohl du seit morgens durchgearbeitet hast.

Der Denkfehler

Und jetzt kommt der Teil, bei dem mir regelmäßig jemand widerspricht.

Fast jede Frau, mit der ich darüber rede, versucht dasselbe: weniger Konfetti.

Sich zusammenreißen. Fokussieren. Endlich mal eine Sache zu Ende bringen. Ein neues Zeitmanagement-System, das dieses Mal bestimmt hilft.

Ich hab das jahrelang mitgemacht. Es funktioniert nicht, und es macht schlechte Laune, weil du dabei versuchst, jemand anders zu sein.

Die ganze Produktivitätsecke lebt davon, dass du das weiter versuchst. Ein Kopf, der sich reparieren lässt, kauft jedes Jahr ein neues System.

Der Fehler liegt woanders. Du versuchst, die Ideen zu reduzieren, obwohl das Aufräumen fehlt.

Zwei Sachen, die man auseinanderhalten muss

Ideen haben ist deine Stärke. Da will niemand ran, und du sollst da auch nicht sparsamer werden.

Ideen fertigmachen ist Handarbeit. Ausformulieren, in Form bringen, planen, rausschicken, nachhalten. Das ist der Teil, der dich auffrisst — und der Teil, der eine wiederkehrende Form hat.

Wenn du diese beiden Sachen trennst, verschiebt sich die ganze Frage. Du musst dich nicht ändern. Du brauchst nur jemanden für den zweiten Teil.

Was ich heute mache

Ich rede meine Ideen in eine Sprachnachricht, wenn sie kommen. Meistens im Gehen, oft mitten im Satz abgebrochen, oft völlig unsortiert.

Und dann macht was anderes daraus einen Entwurf. Nicht irgendein Werkzeug, das mich nicht kennt und Coach-Sprech ausspuckt — eins, das meine Formulierungen kennt, meine Kundinnen, meine Art zu reden.

Ich sortiere nicht mehr selbst. Ich entscheide nur noch, was davon rausgeht.

Das ist dieselbe Lösung wie damals im Kurpark-Café, nur dreißig Jahre später. Nicht weniger Tische. Ein System für die Reihenfolge.

Der Satz, den ich dir gern dagelassen hätte, als ich sechzehn war

Mein Kopf war nie das Problem. Ich musste nur wissen, wie ich ihn bediene.

Du bist nicht zu unkonzentriert und schon gar nicht zu langsam. Du bist voll. Das ist ein Unterschied, und er ist wichtig: das eine will man wegtrainieren, das andere muss man einfach nur organisieren.

Und Organisieren ist eine Sache, die man abgeben kann.

Häufige Fragen

Ist Konfettihirn dasselbe wie ADHS?

Nein, und ich stelle keine Diagnosen. Konfettihirn beschreibt schlicht, wie sich das anfühlt: viele Ideen gleichzeitig, viele Rollen gleichzeitig. Manche Frauen mit dieser Beschreibung haben eine Diagnose, viele nicht. Für die Frage, wie du deine Arbeit organisierst, macht das keinen Unterschied.

Kommt das von den Wechseljahren?

Bei mir nicht. Ich kenne das seit ich 16 bin. Diese Erklärung wird Frauen ab vierzig gern angeboten, und sie führt in die falsche Richtung — weil sie einen Wesenszug in ein Symptom umdeutet, auf das man dann wartet, bis es vorbeigeht.

Muss ich lernen, mich besser zu konzentrieren?

Du kannst es versuchen. Meine Erfahrung ist, dass es teuer ist und wenig bringt. Es funktioniert besser, den Kopf machen zu lassen, was er gut kann, und für den Rest ein System zu haben, das mitschreibt.

Woran merke ich, dass das auf mich zutrifft?

Du hast morgens sieben Ideen, abends ist keine fertig. Du kennst dein Handwerk seit Jahren und kommst trotzdem nicht hinterher. Und du hast dich schon mal ernsthaft gefragt, ob mit dir was nicht stimmt.

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