Das Wichtigste in Kürze
KI-Texte klingen glatt, weil das Modell auf den Durchschnitt aller Texte zielt und dich nicht kennt. Was hilft, sind nicht bessere Prompts, sondern hinterlegtes Material: echte Textproben von dir, deine typischen Formulierungen, deine Kundinnen und eine Liste dessen, was du nie sagen würdest.
Du tippst rein, was du meinst. Raus kommt ein Text, der stimmt — und trotzdem falsch ist.
Zu glatt. Zu freundlich. Diese Dreierlisten, die niemand so redet. Irgendein „Lass uns gemeinsam" am Anfang. Du liest es und denkst: kann man so posten. Und postest es dann doch nicht.
Das liegt nicht daran, dass du zu schlecht prompten kannst.
Und es liegt auch nicht daran, dass du „die richtige KI" noch nicht gefunden hast. Diese Suche ist der teuerste Umweg der Branche, und ich bin ihn selbst gegangen: siebzehn Tools in acht Monaten. Geholfen hat am Ende eine Textdatei.
Warum das passiert
So ein Modell hat aus Unmengen Text gelernt und trifft im Zweifel die Mitte davon. Nicht dich. Den Durchschnitt.
Und der Durchschnitt an Online-Business-Texten im Netz ist nun mal Coach-Sprech. Also kriegst du Coach-Sprech, solange du nichts anderes hinlegst.
Der zweite Grund wiegt schwerer: Du fängst jedes Mal bei einer Fremden an. Du erklärst dein Angebot, deine Zielgruppe, deinen Ton — und morgen wieder von vorn, weil das Gespräch von gestern weg ist.
Kein Mensch würde so arbeiten. Stell dir eine Aushilfe vor, die jeden Morgen neu anfängt und nie erfährt, was gestern war. Genau so behandelst du das Ding gerade.
Was tatsächlich hilft
Nicht der bessere Prompt. Das hinterlegte Material. Vier Sachen, und die schreibst du einmal auf.
Echte Textproben
Drei bis fünf Texte, die wirklich nach dir klingen. Eine Mail, die gut lief. Ein Post, den du selbst nochmal gelesen hast. Ein Stück Transkript aus einem Call, ungeglättet.
Wichtig: nichts, was du für die Gelegenheit schön gemacht hast. Dein echter Ton steckt in dem, was du geschrieben hast, als niemand zuguckte.
Deine Wörter
Jeder Mensch hat Formulierungen, die er ständig benutzt und nie bemerkt. Bei mir sind es „halt", „ne", „echt" und dass ich Sätze mit einem Punkt abbreche, wo andere weiterreden.
Hör dir eine eigene Sprachnachricht an und schreib mit, was mehrfach vorkommt. Das ist deine Liste.
Wen du meinst
Nicht „Frauen zwischen 35 und 55". Sondern: was diese Person diese Woche genervt hat, was sie schon probiert hat, was sie längst weiß und trotzdem nicht umsetzt.
Ein Text wird konkret, wenn das Gegenüber konkret ist. Sonst wird er allgemein, und allgemein klingt nach niemandem.
Die Verbotsliste
Der Teil, den fast alle vergessen, und der am schnellsten wirkt.
Schreib auf, was du nie sagen würdest. Bei mir stehen da Sachen drauf wie „Reise", „Journey", „empowern", jede Form von „Lass uns gemeinsam" — und dieses Muster mit drei Verneinungen hintereinander, das man inzwischen auf hundert Meter als Maschinentext erkennt.
Eine Verbotsliste bringt oft mehr als jede Stil-Anweisung, weil sie hart ist. „Schreib lockerer" ist Auslegungssache. „Das Wort kommt nicht vor" nicht.
Der Punkt, an dem es kippt
Solange diese vier Sachen in einzelnen Prompts stecken, machst du die Arbeit jedes Mal neu — und irgendwann lässt du es und schreibst wieder selbst.
Es kippt in dem Moment, in dem das Material an einer festen Stelle liegt und nicht mehr erklärt werden muss. Ab da fängst du nicht mehr bei einer Fremden an.
Das ist der ganze Unterschied zwischen einem Werkzeug, das du benutzt, und jemandem, der für dich arbeitet.
Wie du merkst, dass es sitzt
Ein Test, der bei mir immer funktioniert: Lies den Text laut vor.
Wenn du an einer Stelle stolperst oder dich beim Vorlesen fremdschämst, klingt er nicht nach dir. Wenn du ihn runterlesen kannst, als hättest du ihn gerade jemandem erzählt, passt es.
Der Text muss nicht perfekt sein. Er muss vorlesbar sein.
Und das ist erst eine Aufgabe
Texte schreiben ist der lauteste von zwölf Bereichen, in denen bei fast jeder Solo-Unternehmerin dasselbe passiert: Die Arbeit hat eine Form, die sich wiederholt — und trotzdem fängt sie jedes Mal bei null an.
Welche zwölf das sind, hab ich aufgeschrieben.
Häufige Fragen
Reicht es nicht, "schreib in meinem Stil" in den Prompt zu schreiben?
Nein. Das Modell weiß nicht, was dein Stil ist, und rät dann. Was es rät, ist der Durchschnitt. Du musst echte Textproben mitliefern, sonst gibt es nichts zu treffen.
Wie viele Textproben brauche ich?
Drei bis fünf Sachen, die wirklich nach dir klingen, reichen zum Anfangen. Lieber wenige richtig gute als zwanzig mittelmäßige — schlechte Beispiele ziehen das Ergebnis nach unten.
Warum klingt alles nach Coach?
Weil im Trainingsmaterial sehr viel Coach-Sprache steckt und das Modell zum Häufigsten greift, wenn es nichts Besseres hat. Dagegen hilft nur, das Bessere zu hinterlegen — und ausdrücklich zu sagen, welche Wörter raus sollen.
Wird das nicht mit jedem Modell-Update wieder schlechter?
Der Ton verschiebt sich manchmal, ja. Deswegen ist es gut, wenn dein Material an einer Stelle liegt, die du nachschärfen kannst, statt in einzelnen Prompts verstreut, die du alle einzeln nachbessern müsstest.